Digitale Luftbilder sind eine wichtige Grundlage für die Erstellung und Fortführung von Geodaten. Im Fokus der Geodatennutzer stehen aktuell Themen wie die Planung in dreidimensionalen Stadtmodellen, die Durchführung von Standortanalysen für Photovoltaikanlagen oder die Ermittlung versiegelter Flächen für das Abwassergebührensplitting. Diese und viele weitere Anwendungen benötigen eine präzise Datengrundlage, die durch stereoskopische Auswertung der Orientierten Luftbilder der Landesvermessung und Geobasisinformation des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen (LGLN) gewonnen werden kann.
Orientierte Luftbilder werden aus Bildflugzeugen aufgenommen. Bei den Bildflügen wird ein bestimmtes Gebiet in Ost-West-Richtung beflogen. Die Bilder werden in fortlaufenden Flugstreifen so aufgenommen, dass sie sich in Flugrichtung jeweils um mindestens 60 % überlappen (ab 2011: 80 %). Bilder benachbarter Streifen überlappen sich jeweils um 30 %. So wird das gesamte Gelände lückenlos erfasst. Benachbarte Einzelbilder erlauben mit Hilfe entsprechender Geräte eine stereoskopische Betrachtung des überlappenden Gebietes, wobei ein räumlicher Eindruck des Geländes aus der Vogelperspektive vermittelt wird.
Orientierte Luftbilder sind Digitale Luftbilder mit allen erforderlichen Parametern für eine stereoskopische Auswertung, d. h. den Daten zur inneren und äußeren Orientierung. Digitale Luftbilder entstehen heutzutage im Rahmen des jährlichen Bildflugprogramms regulär als Digitale Messbilder durch die Aufnahme mit digitalen Kameras. Die Parameter der äußeren Orientierung (Position und Orientierung des Aufnahmezentrums im Raum) werden mit einem Globalen Navigationssatellitensystem (GNSS) und einem Inertialen Navigationssystem (INS) direkt gemessen. Die Genauigkeit der Orientierungsparameter wird ergänzend durch das Verfahren der Aerotriangulation (AT) gesteigert. Dabei werden die Parameter der äußeren Orientierung über Passpunkte im Bildblockverband indirekt berechnet. Die Parameter der inneren Orientierung können dem Kamera-Kalibrierungsprotokoll entnommen werden. Die räumliche Zuordnung von Digitalen Luftbildern ist auf der Grundlage von Bildmittenübersichten möglich.
Die Landesvermessung und Geobasisinformation des LGLN beauftragte im Jahr 2005 und den Folgejahren vereinzelt die ersten Befliegungen mit digitalen Kameras. Seit 2008 ist der digitale Bildflug Standard. Die Bildflug-Programme wurden daher bis einschließlich 2004 vollständig und von 2005 bis 2007 teilweise mit analogen Kameras durchgeführt. Digitale Luftbilder werden in diesem Fall durch Scannen der analogen Luftbilder erzeugt (in der Vergangenheit auch als Rohscans bezeichnet).
Seit dem Bildflugjahr 2001 werden die Luftbilder in Farbe aufgenommen. Jedes historische analoge Luftbild hat ein Format von 23 cm x 23 cm und ist im Maßstab 1:12 000 (Standard) aufgenommen. Es bildet eine reale Geländefläche von ca. 2,7 km x 2,7 km ab. Hierdurch wird beispielsweise das Gebiet eines Blattes der Deutschen Grundkarte 1:5 000 (DGK5) jeweils von einem analogen Luftbild abgedeckt. Die Formate der digital aufgenommenen Bilder variieren hingegen in Abhängigkeit von der jeweils verwendeten Kamera.
Alle analogen und digitalen Luftbilder werden von der Landesvermessung und Geobasisinformation des LGLN in der Landesluftbildsammlung geführt, die jedem Bürger und jedem Nutzer aus Verwaltung, Wirtschaft oder Wissenschaft zur Verfügung steht. Seit Ende der 50er Jahre sind in der Landesluftbildsammlung über 800 000 Luftbilder archiviert. Niedersachsen ist inzwischen mehrfach vollständig durch Luftbilder erfasst worden, die Ballungszentren auch noch häufiger.
Die Landesluftbildsammlung umfasst auch die Passpunktsammlung - ein digitales Verzeichnis mit Koordinaten und Beschreibungen von Passpunkten. Die Passpunkte werden für die Bestimmung von Orientierungsparametern mittels AT benötigt.
Welche Produkte werden aus der Landesluftbildsammlung zur Verfügung gestellt?
Für einfache Auswertungen wie Feldvergleiche bietet die LGN die Digitalen Luftbilder in der Genauigkeitsklasse 1 (LB1) an. Der Lieferumfang beinhaltet dabei die gewünschten Digitalen Luftbilder. Wahlweise können auch genäherte Bildmitten geliefert werden.
Die Orientierten Luftbilder sind in die folgenden weiteren drei Genauigkeitsklassen 2 bis 4 (LB2, LB3 und LB4) erhältlich:
- LB2: 3-fache Bodenpixelgröße, z. B. als Ergebnis der direkten Georeferenzierung (GPS/INS),
- LB3: 2-fache Bodenpixelgröße, z. B. als Ergebnis einer AT und
- LB4: 1-fache Bodenpixelgröße, z. B. als Ergebnis einer AT.
Die jeweilige Genauigkeitsangabe, bezogen auf die Bodenpixelgröße, beschreibt sowohl die Lage- als auch die Höhengenauigkeit. Sie ergibt sich aus Messungen an ausgewählten Kontrollpunkten. Orientierte Luftbilder werden jeweils in der höchsten verfügbaren Genauigkeitsklasse abgegeben. Auf Anfrage stellen wir Ihnen Testdaten zur Verfügung.
An interessierte Bildflug-Firmen oder Ingenieurbüros vertreibt die LGN auch Auszüge aus der Passpunktsammlung. Zum Lieferumfang gehören das Passpunkt-Koordinatenverzeichnis und die zugehörigen Passpunkt-Beschreibungen.
Luftbild-Kontaktkopien und Luftbild-Vergrößerungen, basierend auf den analogen Luftbildern, können nicht mehr hergestellt werden. Anstelle der Luftbild-Kontaktkopien sind Plotausgaben der nicht entzerrten Digitalen Luftbilder im jeweiligen Originalformat lieferbar. Eine stereoskopische Auswertung ist mit diesen Plotausgaben nicht möglich. Der Ersatz für die Luftbildvergrößerungen sind Plotausgaben der vergrößerten, nicht entzerrten Digitalen Luftbilder im Format von ca. 60 cm x 60 cm. Die Abgabe in schwarz/weiß oder farbig erfolgt in Abhängigkeit vom jeweiligen Original. Die Herstellung von Luftbildausschnittsvergrößerungen ist nicht mehr möglich.
Wann stehen die Orientierten Luftbilder bereit?
Die Orientierten Luftbilder stehen bereits zu einem frühen Zeitpunkt nach der Auslieferung der Bildflugergebnisse an die Landesvermessung und Geobasisinformation des LGLN zur Verfügung. Eine gegebenenfalls anschließende AT dauert wenige Wochen.
Welche Produkte werden aus den Orientierten Luftbildern abgeleitet?
Im Anschluss an einen Bildflug werden die Digitalen Orthophotos (DOP) durch ein rechnergestütztes Projektionsverfahren gerechnet. Die Bodenauflösung beträgt flächendeckend 20 cm. DOP sind digital und als Colorprint auf Hochglanzpapier erhältlich. Sie werden standardmäßig in 2 km x 2 km Kacheln abgegeben. Ausschnittsvergrößerungen in einem Bildmaßstab von 1:2 000 sind möglich. Das Ausgabeformat beträgt ausschließlich 40 cm x 40 cm. Durch ein rechnergestütztes Entzerrungsverfahren liefern sie eine hohe Lagegenauigkeit.
Die Landesvermessung und Geobasisinformation des LGLN setzt die Orientierten Luftbilder ebenfalls für die Aktualisierung des Digitalen Geländemodells 5 (DGM5) mittels stereoskopischer Auswertung ein.
Welche Bedingungen gelten für die Nutzung?
Die von der Landesvermessung und Geobasisinformation des LGLN herausgegebenen Luftbilder sind gesetzlich geschützt. Nachfolgend für Sie die wichtigsten Nutzungsbedingungen:
- Luftbilder und daraus abgeleitete Daten dürfen Sie nur mit Erlaubnis der LGLN und gegen Zahlung eines entsprechenden Entgelts vervielfältigen und verbreiten.
- Eine Erlaubnis benötigen Sie nicht, wenn Sie Vervielfältigungen für eigene, nichtgewerbliche Zwecke vornehmen wollen.
Bei uns erhalten Sie zusätzlich Auskünfte über:
- Bezugsquellen für Luftbilder Niedersachsens, die vor 1953 aufgenommen wurden, an den Landesgrenzen liegen oder bei Luftbildfirmen archiviert sind.
- Bezugsquellen für Fernerkundungsergebnisse, wie z.B. Multispektral-Aufnahmen, Thermalinfrarot-Scanner-Aufnahmen, Spacelab-Aufnahmen und Satellitenbilder.
- Ausschreibung, Vergabe und Abnahme von Bildflügen.
- Qualitätsprüfungen der Auswerteergebnisse.
- Technik der Bildflüge, Auswahl des Bildmaterials und photogrammetrische Auswertungen.
Einsatzmöglichkeiten:
- 3D-Auswertungen von sicherheitsrelevanten Objekten
- Gebäude- und Gebäudehöhenauswertung für Einsehbarkeitsstudien
- Dachformen und Gebäudehöhen, 3D-Stadtmodelle
- Kartierung topographischer Informationen wie z. B. Versiegelungsflächen
- Baumkataster
- Erstellung von Ausbreitungsmodellen im Hochwasser-, Lärm-, Erosions- und Emissionsschutz (z. B. Schall- und Funkwellen, Feinstaub)
- Massenermittlung
- Auswertung von Boden- und Kulturdenkmalen
- Planungsgrundlage
- Beweissicherung und Tatbestandsaufnahme
- Bodenkundliche Erhebungen und Untersuchungen
- Altlastensuche
- Zeitdokumentation
- Naturschutzaufgaben
Kommen Sie mit uns ins Gespräch!
Digitale und Orientierte Luftbilder sowie DOP können Sie beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen (LGLN)
- Geschäftsbereich Landesvermessung und Geobasisinformation in Hannover und
- bei den Katasterämtern der Regionaldirektionen
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